Offene Ateliers im
Künstlerhaus Antonspfründe
Originaltext von Peggy Rustler, mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung.

Offene Ateliers im Künstlerhaus Antonspfründe in Augsburg

Am Samstag,08.12.2018, bin ich der Einladung meiner Freundin Roswitha Brand gefolgt und habe die Antonspfründe mitten im Herzen von Augsburg besucht. Ich wollte ihr und ihrem Werkstattpartner, Karl Meyer, der u. a. die Aktzeichenkurse im Hempels organisiert, einen kurzen Besuch abstatten. Die beiden betreiben zusammen eine Keramikwerkstatt im Souterrain der Antonspfründe.

Gestärkt mit frischen Waffeln, Kaffee und einem Glas Sekt und gut aufgewärmt vom gemütlichen Gasofen in der Keramikwerkstatt wurde ich losgeschickt, um die anderen Ateliers im Haus anzusehen. Aus einem gedachten kurzen Rundgang wurde eine mehrstündige, wundervolle Entdeckungstour.

Die Antonspfründe
Die Antonspfründe ist über 600 Jahre alt und befindet sich in der Dominikanergasse neben dem ehemaligen Römischen Museum. Es sind zwei miteinander verbundene Gebäude, die Antonspfründe und die Sankt-Antonius-Kapelle. Die Architektur ist völlig ungewöhnlich und vermutlich gewachsen im Laufe der Jahrhunderte.
Kaum ein Raum im Haus ist einfach nur rechtwinklig.

Es gibt schmale Räume, die gekrümmt und spitzwinklig zu laufen, so dass sie in der Draufsicht eine Zipfelmütze ergeben. Andere Räume haben nur eine kleine ebenerdige Bodenfläche, weitere, sehr unebene Flächen sind auf ca. 1,20 m und 1,50 m hochgelegt, für die ausgestellte Keramik ergeben sich so tolle Präsentionsmöglichkeiten. Überall in den Wänden befinden sich eingelassene Nischen, perfekt für die Präsentation. Gerade im Souterrain befindet sich jeder Raum auf einer anderen Höhe, man sollte auf die Stufen beim Eintreten achten. An manchen Stellen im Haus teilt sich der Flur, auf einmal gibt es eine Wand mit Sprossenfenster direkt vor einem. In einem anderen Flur gibt es tiefgesetzte Fenster, so dass man in den darunterliegenden Flur schauen kann. Manchmal führen Treppen auf halber Höhe zu neuen Räumen. Kein Besucher konnte mir konkret einen Weg zeigen oder wusste, ob er wirklich alles gesehen hat. Falls in Augsburg einmal ein Film über magische Welten gedreht wird, wäre die Antonspfründe der ideale Drehort.
Die Stadt Augsburg vermietet die Antonspfründe an die Künstlervereinigung „Die Ecke„. Diese verwaltet die Vergabe der Ateliers und nimmt die durchaus marktüblichen Mietpreise ein. Es gibt Künstler, die seit 4 oder 5 Jahrzehnten ihre Ateliers hier haben. Aber auch ganz junge Künstler und Handwerker wie z. B. Goldschmiede sind ansässig.

Die Künstlerkollegen
Beim Entdecken der Ateliers habe ich einige meiner Künstlerkollegen getroffen, mit denen ich in einer großen Gemeinschaftsausstellung in der alten Kinderklinik Augsburg vertreten war. So fand ich mich im Atelier von Norbert Diem wieder, habe Henry Hinderlich und Alexandra Vollbracht getroffen. Auch die Künstlerin Moni Janz-Riemann war zu Besuch. Während des Umbaus vom Hempels hat sie ihre bezaubernde Dachwohnung in der Augsburger Altstadt für die Aktzeichenabende zur Verfügung gestellt.

Die Aquarellmalerin Elisabeth Wiesmann
Sehr überrascht war ich, die in Augsburg und Umgebung bekannte Aquarellmalerin Elisabeth Wiesmann in der Antonspfründe zu finden. Immer wieder bin ich in Buchläden über ihre Kalender gestolpert oder habe ihre Aquarelle im Naturkundemuseum Oerschönenfeld bewundert. Wir haben ein langes und schönes Gespräch geführt. Mit Lambert van Bommel haben wir einen gemeinsamen Bekannten. Er war ein Arbeitskollege von ihr und mein erster Aquarell-Lehrer. Frau Wiesmann hat ihr Atelier seit 5 Jahrzehnten in der Antonspfründe.

Die Bilderbuch-Autorin Daniela Kulot
Sehr interessant für mich war der Besuch im Atelier von Daniela Kulot. Sie ist eine international bekannte und erfolgreiche Bilderbuch-Autorin. Ihr Atelier ist ein großer, rechtwinkliger Raum mit einem riesigen, in die Wand eingebauten Kassettenschrank. Auf soviel Stauraum bin ich wirklich neidisch. Sie hatte viele ihrer Kinderbücher ausgestellt, an den Wänden waren die fertigen Zeichnungen aus den Büchern dicht aneinander gedrängt. Dieser Platz dient ihr normalerweise dazu, die Storyboards, erste Entwürfe, Skizzen und Zeichnungen zu befestigen, um die Entwicklung der Geschichte während der Arbeit am Buch vor sich zu haben. Moderne Tools wie ein Stativ zum Filmen des Zeichenprozesses waren auch vorhanden. Sie hat mir einen spannenden Einblick in ihre Arbeitswelt gegeben. Einige ihrer Arbeiten fertigt sie auf glattem Aquarellpapier mit Gouachefarben an. Die Palette ist ein Miniaturgebirge aus Gouachefarben, die sie immer gleich anordnet. Diese Anordnung der Farben findet sich zum großen Teil in ihren Bildern wieder. Grundsätzlich sind die Gouachefarben in der Arbeitsweise gar nicht so weit von den Aquarellfarben entfernt. Ihre Bücher entstehen heutzutage aber größtenteils digital, es ist eine Mischung aus analogem Zeichnen und digitalem Kolorieren. Parallel zur Kinderbuch-Illustration arbeitet sie als freie Malerin und stellt in zahlreichen deutschen und internationalen Ausstellungen aus. Werke von ihr wurden unter anderem von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung München angekauft.